Seenotretter bei der RVK

Erste Überlegungen bei den Fachleuten...

Das Thema „Sicherheit auf dem Wasser“ stand bei den Ruderern der Rudervereinigung Kappeln im TSV Kappeln von 1876 e.V. kürzlich in besonderer Weise auf der Tagesordnung. Gemeinsam mit der Besatzung des Seenotrettungs-kreuzers „Nis Randers“ probten sie die Bergung einer hilflosen Person aus einem Ruderboot.

 Folgendes Szenario bildete die Grundlage der Übung: Es war ein schöner sonniger Tag mit nur leichtem Wind, ideal zum Rudern. Hans fühlte sich zwar schon den ganzen Tag etwas angeschlagen, den Ruderturn am Abend wollte er aber trotzdem nicht ausfallen lassen. Um 18 Uhr ging es los, es hatte sich eine Mannschaft für einen gesteuerten Doppelvierer gefunden, die Fahrt sollte nach Schleimünde gehen, dieses Ziel ist für das wind- und wellenempfindliche Ruderboot nur bei optimalen Wetterverhältnissen zu erreichen. Hans hatte mit dem Rest der Crew ausgehandelt, dass er auf der Rücktour steuert, soweit sollte es jedoch nicht kommen. Kurz vor Schleimünde hörte er plötzlich auf zu rudern stieß einen Schmerzensschrei aus und fasste sich noch an die Brust kurz bevor er vornüber kippte.

Das Boot stoppte unkontrolliert weil sich Hans seine Ruder unter seinem Oberkörper verklemmten und gleich zwei der anderen Ruderer am Weiterrudern hinderten.

In dem engen und kippeligen Boot konnte keiner der anderen zu Hans kommen und so konnte er nur gerufen werden, keine Reaktion. An ein Weiterrudern war aufgrund der unglücklichen Lage von Hans seinen Rudern nicht zu denken, nur der Mann in der Spitze hatte genug Platz um kraftvoll zu rudern, zu wenig um schnell an Land zu kommen. Zum Glück hatte einer der Ruderer ein Mobiltelefon dabei und so konnte ein Notruf abgesetzt werden.

Ortswechsel – Auf dem Seenotrettungskreuzer „Nis Randers“ in Maasholm wurde die Crew um Vormann Dirk Höper von einem lauten Alarmklingeln aus der gerade stattfindenden Besprechung gerissen. Alarm! Ein nahezu manövrierunfähiges Ruderboot mit fünf Personen an Bord, eine davon mit Verdacht auf Herzinfarkt, treibt zwischen Maasholm und Schleimünde. Schnell ist die „Nis Randers“ auslaufbereit und mit schneller Fahrt geht es Richtung Schleimünde…

Eine Situation, wie sie jederzeit stattfinden könnte, hier der fiktive Anlass für eine gemeinsame Übung der Männer von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzrS) und den Ruderern der Rudervereinigung Kappeln (RVK). „Ich habe mich schon lange gefragt, wie ein Ruderer auf Wasser dem aus dem Boot geborgen werden kann,“ so der Obmann der Erwachsenenruderer, Michael Schmidt. „Durch die schmale Bauweise der Boote ist es nicht möglich die Ruder einzuziehen, das Boot würde kippen.“

Auch für die Seenotretter, die Schmidt wenige Tage vorher besuchte um sie nach ihren Erfahrungen zu fragen, war es in der Theorie nicht möglich eine Lösung zu finden. Es musste ein Ortstermin her und schnell war ein gemeinsamer Termin für eine Übung gefunden.

Abschleppübung mit dem Beiboot "Onkel Willi"

 Nur zwei Tage später machte die „Nis Randers“ gegenüber dem Bootshaus der Kappelner Ruder fest und es wurden mehrere Möglichkeiten der Rettung in einer solchen Situation durchgespielt. Nach fast 90 Minuten waren dann, dank der bestechend professionellen Arbeit der DGzRS-Crew von Vormann Dirk Höper, gleich vier Möglichkeiten gefunden den „erkrankten“ Ruderer aus dem Boot zu bekommen. Welche der Möglichkeiten im Ernstfall zum Tragen kommt – Abschleppen, Bergung über die geöffnete Heckklappe des Rettungskreuzers oder ob der durch Pressluft aufblasbare „Vetter-Rettungssteg“ genutzt wird, hängt sehr von der vorherrschenden Situation ab.

Der Versuch die Ruderer über den Rettungssteg zu bergen

Wellengang, Wind, Strömung des Wassers oder eine möglicherweise sehr ungünstige Lage des hilflosen Ruderers beeinflussen dann die Entscheidung welche die Mannschaft des Rettungskreuzers fällen muss.

„Die Notrufnummer 124124 ist jetzt fest in den Mobiltelefonen der Ruderer gespeichert, natürlich mit der Hoffnung sie nie zu benötigen!“ so Michael Schmidt nach der Übung. Alles in allem ein Erfahrungsgewinn für beide Seiten, da waren sich Seenotretter und Ruderer einig.

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