9. Platz für Kappelner Ruderinnen bei deutscher Rangliste

Hinz li &Kellinghusen

Lara Hinz und Carlotta Kellinghusen

Nach langer Wettkampfpause traf sich der deutsche Rudernachwuchs zur ersten Regatta des Jahres 2020. U19-Bundestrainerin Sabine Tschäge hatte zur Ermittlung der nationalen Rangliste im Kleinboot nach Hamburg-Allermöhe eingeladen. Erstmalig in diesem Jahr konnten dabei auch Talente der Rudervereinigung Kappeln im TSV Kappeln vom 1876 e.V. ihr Können auf dem Wasser unter Beweis stellen. Jeweils im Zweier ohne Steuerfrau bzw. Steuermann traten Carlotta Kellinghusen und Lara Fiona Hinz sowie Til Schindelhauer mit seinem Rostocker Partner Philip Jürß an.
Bereits im Vorlauf wurden Til Schindelhauer und Philip Jürß die Grenzen ihrer Möglichkeiten aufgezeigt. Beide hatten sich, nachdem die jeweiligen Partner in der Wettkampfpause ihre leistungssportliche Laufbahn beendet hatten, erst wenige Wochen zuvor zusammengefunden. Mit einem 5. Platz verpassten sie den Sprung in die erste Hälfte des Feldes aus 36 Booten. Damit war ihnen die Chance auf eine gute Platzierung genommen. Nach zwei weiteren Läufen erreichten sie den 30. Platz in der Gesamtwertung. Til Schindelhauer, 2019 noch zweifacher Deutscher Vizemeister bei den Leichtgewichten, sagte dazu: „Uns fehlten einfach gemeinsame Kilometer auf dem Wasser. Manchmal lief es im Training richtig gut. Wir brachten das Boot zum Laufen und waren schnell unterwegs. Leider konnten wir im Wettkampf noch nicht die erforderliche Stabilität erreichen. Obwohl wir versuchten, das Beste aus unserer Situation zu machen, ist das Ergebnis eine Enttäuschung.“

Einen deutlich besseren Wettkampf fuhren Carlotta Kellinghusen und Lara Fiona Hinz. „Wir hatten uns schon im Herbst zusammengefunden, um diese schwierige Bootsklasse zu trainieren. Im Frühjahr wollten wir richtig loslegen, aber dann kam die Zwangspause. Das war eine schwierige Zeit. Es brauchte eine starke Motivation, um sich wenigstens
leistungssportlich fit zu halten. Als wir dann ab Ende Mai wieder in den Zweier durften, hatten wir richtig Bock. Wir machten gute Fortschritte und planten sogar unsere Ferien für ein Trainingslager in Rostock um. Nun wollen wir zeigen, was wir können, wissen aber in keiner Weise, wo wir stehen.“, schilderte Lara Fiona Hinz die Ausgangslage für die beiden Kappelner Ruderinnen. Gleich im Vorlauf trafen sie auf harte Konkurrenz aus München, Berlin, Halle und Essen. Die Münchnerinnen hatten bei der U19 WM 2019 in Tokio im Vierer Bronze gewonnen und waren die Favoritinnen. Die Ruderinnen von der Schlei ließen sich dadurch nicht beeindrucken und fuhren ein beherztes Rennen. Nach 1500 m lagen sie gemeinsam mit drei anderen Booten innerhalb einer Bootslänge. Doch nur die ersten Drei sollten sich für die Finalrunde der Besten qualifizieren. Nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ zogen die Kappelnerinnen das Tempo an und setzen die Favoritinnen unter Druck. Diese konnten sich zwar erwehren, aber gleichzeitig gelang es dem Boot aus dem Norden, sich vom Rest des Feldes zu lösen. Sie fuhren als Zweite über die Ziellinie. „Das war ein toller Einstieg, der uns Selbstvertrauen gibt.“, freute sich Carlotta Kellinghusen. Im folgenden Zwischenlauf ging es um den Einzug in die Finals. Jeweils das erste und zweite Boot qualifizierten sich für das A-Finale, Platz 3 und 4 für das B-Finale und 5 und 6 für das CFinale. Vor dem Hintergrund, dass es sich schon um die besten 18 Boote des Starterfeldes handelte, stellte dies eine große Herausforderung dar. Der Kampf um das A-Finale war bei Streckenhälfte schon fast entschieden. Rostock und Würzburg hatten sich abgesetzt. Aber um den Einzug ins B-Finale entbrannte ein heißer Kampf. 500 m vor dem Ziel lag Kappeln auf Rang 5. Doch das ließen die Mädchen aus dem Norden nicht auf sich sitzen. In einem phantastischen Endspurt schoben sie sich auf Rang 3 vor. „Wir merkten, dass wir noch Kraft haben, uns zu 
steigern und ruderten uns nach vorn. Irgendwie passte alles zusammen. Das hat richtig Spaß gemacht.“, beschrieb die sichtlich erschöpfte Lara Fiona Hinz die letzten 500 m. Doch beim Kampf um die Plätze 7-12 war eine weitere Leistungssteigerung gefragt, ging es doch hier um die begehrten Plätze in der Nationalmannschaft. In diesem Rennen entwickelte sich fast die gleiche Situation wie im Zwischenlauf. Zwei Boote hatten sich abgesetzt und drei weitere folgten im Kampf um die Plätze. Lediglich die Renngemeinschaft Stuttgart/Breisach
konnte das Tempo nicht mitgehen. Kappeln setzte sich mit der Renngemeinschaft
Saarbrücken/Koblenz und einem Berliner Boot auseinander. Mit einem erneut fulminanten Endspurt schoben Carlottal Kellinghusen und Lara Fiona Hinz die Bugspitze auf den 3. Platz, was den 9. Platz in der Gesamtwertung bedeutete, und verwiesen die Süddeutschen auf den 4. Platz.

Bei der anschließenden Siegerehrung verkündete die Bundestrainerin, dass man vor dem Hintergrund der aktuellen Situation entschieden habe, nicht an der Junioren EM in Belgrad teilzunehmen. Auch der Baltic-Cup ein Wettkampf der Nachwuchsruderer der
Ostseeanrainerstaaten, der in Litauen stattfinden sollte, sei abgesagt worden. Dennoch sei man überein gekommen, die jeweiligen Nationalmannschaften zu benennen. Trotz des hervorragenden 9. Platzes wurden die Kappelnerinnen nicht für die EM nominiert. Es fehlten einige Sekunden bei der Norm für das Ruderergometer. Deshalb wurden Ruderinnen berufen, die auf dem Wasser schlechter waren, aber die Norm geschafft hatten. Carlotta Kellinghusen, die jüngere Sportlerin aus dem Kappelner Boot, wurde aber in die Mannschaft, die beim BalticCup starten sollte, nominiert. Sie nahm es mit Gelassenheit: „Natürlich ist es schade, dass ich jetzt nicht im Nationaltrikot in Litauen starten kann, aber das ist in diesem verrückten Jahr nun mal so. Trotzdem freue ich mich, dass wir so einen tollen Wettkampf gefahren sind und endlich mal wieder zeigen konnten, was wir können.“


Michael Schürmann

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